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Wenn Wahlen Änderungen ermöglichten, wären sie verboten

In de r DDR waren Wahlen eine Farce. Es gab nur eine Regierung und die hatt  immer recht. Ich hatte also nur die Wahl zwischen Wählen oder eben nicht Wählen. Eine Qual war das nicht.  Heute gibt es viele Parteien, die sich zur Wahl stellen. Prima. Leider habe ich das Pech, dass  ich mit keiner einverstanden kann.  Wie kann ich meine Verweigerung Ausdruck geben? Das geht nicht. Mach ich meinen Stimmzettel ungültig wird meine Stimme zwar als ungültige Stimme gezählt, aber sie zählt nicht als abgebene Stimme. Es ist dann so als ob ich gleich zuhause geblieben wäre. Dann gibt es meine Stimme garnicht und ich exisitiere nicht. Was auf unseren Wahlzetteln fehlt ist die Möglichkeit der Stimmenenthaltung.  Viele Stimmenenthaltungen wären eine politische Größe über die nachgedacht werden müsste. Da dem nicht so ist, habe ich nur die Möglichkeit eines Einverständnisses. Das aber ruft einen Brechreiz in mir hervor.

Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Versagers. Ich habe keine Lust mehr… Ich fange an zu schlampen. Brauche ich das Versagen? Es ist ein Spiel mit dem Feuer… Don’t play with me, you play with fire….

Mit allen Sinnen

1.
Plötzlich an einem gewöhnlichen Morgen
lächeltest du Musik auf meine Zähne. Deine
Zunge flüsterte mir Farben ins Gesicht.
Ab da sah ich den Schlaf der Steine
und höre alle Wege nach mir tasten.

2.
Gegen Mittag wurdest Du meine Schattin

Vor sechzig Jahren

„Für mich ist das poetische Programm nichts weiter als der Form-bildende Anlass zum Ausdruck und zur rein musikalischen Entwicklung meiner Empfindungen – nicht, wie Sie glauben, nur eine musikalische Beschreibung gewisser Vorgänge des Lebens.

Richard Georg Strauss ( 11. Juni 1864, München – 8. September 1949, Garmisch-Partenkirchen )

Zu eng, zu ängstlich

Aus Angst in das Maßlose zu fallen bleiben wir kurzsichtig. Das hat den Nachteil, wir sehen nur Ähnliches. Anderes nehmen wir nur verschwommen wahr und es bleibt uns unheimlich, weil fremd. Dabei liegen die Dinge immer gleichzeitig nebeneinander.

Mit der Wand im Kopf komme ich nicht mit dem Kopf durch die Wand.

Seit Tagen, vielmehr seit Wochen, blockiert alles in mir. Ich fühle wie meine Gedanken an eine Wand klatschen, die quer durch meinen Kopf läuft. Sie hinterlassen Flecken von nicht zu definierenden Formen. Hässlich vielversprechend und interessant nichtssagend. Es ist als ob die Wand außerhalb meines Kopfes steht und ich mit einer verbittertenden Sturheit dagegen anrenne. Mit jedem schmerzenden Schlag gegen diese Wand überträgt sich ihre dumpfe Gleichgültigkeit in meinen Kopf und es überkommt mich eine taube Ohnmacht. Die Befreiung wäre die Wand gegen den Welt zu tauschen. Doch das macht nur müde und hinterlässt eine leere Tauer in mir. Leider ist es aber der einzige gangbare Weg. Nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern mit dem Kopf durch die Welt.

2000 km später

Es fing alles damit an, dass auf irgendeinem Strich hinterm Hamburger Hauptbahnhof eine süßes kleines wasserstoffgebleichtes Mädchen mir ihre Dienste mit den Worten anbot: “Na Dicker. Hast Du ein bisschen Zeit für mich!” Das saß, aber ich nahm diesen Spruch nicht ernst. Denn erstens war das nun wirklich keine Alltagssituation und zweitens waren aus meiner Sicht nur die anderen die Fettsäcke. Ich doch nicht. Und es beruhigte mich, dass alle Männer im Straßenbild einen Bauch vor sich herschoben. Jedenfalls die, die ich warhnahm. Aber irgendwann sah ich durch Zufall eine entfernte Bekannte, die immer etwas mehr an Kilos mit sich rumschleppte und plötzlich schlank daher kam. Es begann in mir zu nagen und endete mit der ängstlichen Frage, bin ich villeicht doch ein ganz klein wenig übergewichtig. (Das Wort dick gab es im Zusammenhang mit mir nicht!) Die Antwort ersparte ich mir. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich es schon aufgegeben, mich zu wiegen. Das letzte Mal wog ich ca 96 Kilo. Da ich leider nur 175 cm hoch bin, passten Zentimeter und Kilo irgendwie nicht zusammen. Also kramte ich meine alten Sportschuhe raus, kaufte mir eine Pulsuhr, entdeckte www.jogmap.de und lief los. Das war im Wonnemonat Mai 2008. Seitdem war ich gut 2000 km im Laufschritt unterwegs. Und ich muss heute feststellen: Dieses Laufen ist und war eine Qual. Ich keuchte mich durch ausgeschlachtete Wälder, durch herzlose Industriegebiete und manchmal immer nur um mein Dorf herum. Japsend lernte ich mich und Deutschland neu kennen. In Kiel lief ich an der Förde, in Hamburg um die Alster, an der Isar in München, am Bodensee im Regen. In Berlin trat ich in Hundescheiße. In Frankfurt und in Köln lief ich an Uferprommenaden der dortigen Flüsse Main und Rhein, am Deutschen Eck zwischen den Reisebussen der ewig knipsenden Touristen und in meiner Geburststadt an den Orten verschämter Jugenderinnerungen. Seitdem sind nicht nur ca. 2000 km hinter mir geblieben. Nein, auch alles was zuviel war an mir, liegt irgendwo am Wegesrand begraben. Insgesamt habe ich 25 Kilo gelassen während ich mir den Leib aus der Seele keuchte. Hinzu kommt eine radikale Ernährungsumstellung. Kein Fleisch, kein Alkohol (Rotwein ist kein Alkohol), kaum noch Brot dafür Gemüse. Mir fehlt nichts, mir geht es besser.

Kitsch.ich

Glücklich in der Trauer. Zum Weinen glücklich. Die Wunde Glück vernarbt zur warmen Trauer. Und meine Depressionen? Die halten mich am Leben. Danke.

Umzingelt. Bedrängt

Heute Morgen um 3:30 Uhr ließen sie mich nicht mehr schlafen. Diese ganzen ungelesenen Bücher. Überall lauern sie. Die ganze Wohnung ist voll davon. Und auch die schon vor langer Zeit gelesenen schienen in meinen leichten Schlaf zu schreien, lies mich noch mal. (Ganz zu schweigen von den Platten und CD’s. Welch ein Quängeln und Bitten und Betteln. Aus allen Ecken ein Wimmern und Jammern: hör mich an. Nein mich zuerst.) Jetzt sitze ich mit einer Kanne Tee an einem meiner Schreibtische und beginne erschöpft den Tag. Langsam wird die Zeit knapp.

Aber großartig

Beim Mittagessen heute erklärte mir ein jüngere Mensch voller Begeisterung, nichts ist wirklich, denn alles sei nur ein riesengroßer Fake, wie er meinte. Er redete und redete und versuchte mich mit leuchtenden Augen, wie ich sie selten gesehen habe in letzter Zeit, von seiner Welttheorie zu überzeugen. Und ich dachte mir: Junge, tausch das Wort Fake gegen das Wort Lüge. Denn alles ist Lüge. Egal, ob man ein Bier gebracht bekommt oder ob in einem Laden die Kassiererin irgendeine Summe nennt, man wird belogen. Man merkt das ja schon an sich selber wenn man jemanden einen guten Tag wünscht. Alles ist Lüge aber doch großartig. Übrigens starb heute vor zwanzig Jahren Thomas Bernhard.